Wissenswertes aus der Geschichte

Als Stadtdirektor Wenner am 3. November 1953 die ersten Teilnehmer an den Abendkursen der ersten Volkshochschule in Grevenbroich im heutigen Erasmus-Gymnasium begrüßte, war erst ein halbes Jahr nach den Diskussionen und Beschlüssen im Schul- und Kulturausschuss der Stadt vergangen. Die neue Einrichtung sollte, nach den Vorstellungen ihres ersten nebenamtlichen Leiters, Dr. Otto Broens, den „Wissensdrang der breiten Massen stillen“, dabei aber keine berufsbildende Schule sein. Gegen ein geringes Entgelt von etwas weniger als einer Mark sollte allen Grevenbroicher*innen ab 16 Jahren das Angebot offen stehen. Mit einem damals bescheidenen Etat von 2000 DM städtischen und einem geplanten Kreiszuschuss von 1000 DM starteten zum Winter 1953/1954 die ersten Kurse. Unter dem Motto „Ohne Allgemeinbildung, kein freier verantwortungsbewusster Bürger“ organisierte die Stadtverwaltung Postwurfsendungen an rund 4700 Haushalte im damaligen Stadtgebiet, um für die neue Einrichtung zu werben. Mehr als dreißig Jahre nach Verabschiedung der Weimarer Verfassung vom August 1919 und einer ersten, deutschlandweiten Gründungswelle von 150 Einrichtungen bis zum Jahr 1927, wurde auch die Stadtverwaltung Grevenbroich Träger einer Einrichtung der Erwachsenenbildung. 

Die Grevenbroicher Volkshochschule nahm unter der Leitung ihres ersten Direktors, Dr. Otto Broens, ihre Arbeit auf und bot mit Sprachkursen in Englisch, Französisch oder Russisch, Buchführungskursen, kunstgeschichtlichen oder naturwissenschaftlichen Vorträgen ein breites Angebot mit guter Resonanz in der Bevölkerung. Zumal in den 1960er Jahren wuchs das Angebot rasant. Dr. Wilhelm Lauth, der der VHS Grevenbroich seit 1970 als vierter Leiter seit der Gründung nach Dr. Otto Broens, Paul Lennarz und Dr. Theodor Hermes vorstand, konnte rasante Zuwachszahlen verzeichnen: Allein in der Zeit von 1968 bis zum Jahr 1970 hatten sich die Teilnehmerzahlen von rund 1800 auf mehr als 3700 verdoppelt. Auch das Stundenvolumen vergrößerte sich zusehends auf rund 7000 Stunden Mitte der 1970er Jahre. Neu war auch die Einführung von Vormittagskursen, die das klassische Abendangebot ergänzten. Seit 1971 ist die Grevenbroicher Volkshochschule zudem Träger der Kurse zur Erlangung von Schulabschlüssen. Das am 11. Juli 1974 erlassene „Erste Gesetz zur Ordnung und Förderung der Weiterbildung im Lande Nordrhein-Westfalen“ sowie die kommunale Neugliederung des Jahres 1975 veränderten auch die Situation der VHS Grevenbroich. Die neue gesetzliche Regelung stellte die Arbeit der Einrichtung durch die Förderung hauptamtlichen pädagogischen Personals einerseits auf eine neue Grundlage, andererseits vergrößerte sich mit der Gebietsreform der Einzugsbereich der Volkshochschule, die nun für 57.000 statt wie bislang für 30.000 Menschen ein Bildungsprogramm zu konzipieren hatte. Fast zeitgleich endete auch die Zeit der nebenamtlichen Führung und Dr. Wilhelm Lauth übernahm hauptamtlich die Leitung der Einrichtung. Wenig später traten zwei weitere hauptamtliche pädagogische Mitarbeiter in den Dienst der Stadt und sorgten damit zugleich für eine Professionalisierung der Bildungsarbeit gemäß der neuen gesetzlichen Bestimmungen.

Zur gleichen Zeit diskutierten die politischen Gremien über den Bau eines Kulturzentrums auf der Fläche von „Kampers Wäldchen“, das Volkshochschule und Bücherei beherbergen und Platz für Theateraufführungen mit bis zu 500 Zuschauern bieten sollte. Doch der ehrgeizige und mit 13,7 Millionen DM geschätzte Bau ließ sich nicht realisieren. Damit blieb auch der Wunsch nach einem zentralen „Haus der VHS“ wie er bereits zum 20jährigen Bestehen von Dr. Wilhelm Lauth formuliert wurde vorerst unerfüllt. Erst mit der Umwidmung der ehemals als Hauswirtschaftsschule errichteten, späteren Hauptschuldependance an der Bergheimer Straße 44, konnte im Jahr 2008 unter der Leitung von Dr. Rainer Hoffmann ein besonderer Ort der Bildung für Erwachsene und Jugendliche eingerichtet werden. Unter Dr. Elmar Sawatzki, Nachfolger Dr. Lauths als VHS-Leiter, wurde im Jahr 1978 eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung mit der heutigen Stadt Jüchen geschlossen. Seitdem konzipieren die pädagogischen Mitarbeiter im Waagehaus ein gemeinsames Bildungsprogramm für rund 90.000 Menschen im Einzugsgebiet.